Heilfasten - was Steckt dahinter?

18.03.2021

Heilfasten hat eine jahrtausendalte Tradition und wird von Gesunden, zum Einstieg in eine Gewichtsabnahme sowie bei bestimmten Krankheiten angewendet. Neben dem freiwilligen Vorsatz, auf Essen zu verzichten, gehört auch eine entsprechende positive Einstellung und Lenkung der Gedanken dazu. Viel Spaß!

Was passiert während dem Fasten im Körper?

Fasten mobilisiert die im Fettgewebe des menschlichen Körpers gespeicherte Energie. Der Stoffwechsel schaltet von Glukose zu Fett- und Keton-Verbrauch um, wodurch zahlreiche positive Wirkungen hervorgerufen werden.

Dr. Eva Lischka, Vorsitzende der ÄGHE und Chefärztin der Buchinger-Wilhemi-Klinik am Bodensee, sagt: "Förderung aller Ausscheidungswege, moderate Bewegung, etwa Spazierengehen an frischer Luft, und Entspannungsübungen runden das Programm ab". Wer das erste Mal fastet, sollte am Besten in arbeitsfreier Zeit in der Gruppe oder nach einem guten Fastenbuch fasten. 

 Sendung Faszination Wissen | Doku | BR | 2017

Positive Effekte des Fastens

Erfahrene Fastenbegleiter bestätigen folgende Effekte des Fastens:

  • Autophagie: Der Körper wird von Giftstoffen und zellulärem Müll befreit.
  • Das Bindegewebe strafft sich, die Haut wird schöner.
  • Magen und Darm werden saniert, das Immunsystem kommt in Schwung.
  • Verbesserung des gesamten Stoffwechsels.
  • Sie fühlen sich vitaler und leistungsfähiger.
  • Übergewicht: Bis zu sechs Kilogramm Gewichtsverlust in einer Woche und somit ein motivierender Start, um eine bewusste und dauerhafte Gewichtsreduktion einzuleiten.
  • Impuls zur Verhaltensänderung. Fasten ist die Chance, von schädlichen Genussmitteln wie Alkohol und Nikotin sowie von falschen Ernährungsgewohnheiten loszukommen.

Was zu beachten ist!

Das Heilfasten ist eine Fastenform, die auf den Arzt Otto Buchinger (1878 - 1966) zurückgeht. Im Gegensatz zum totalen Fasten wird dem Körper beim Heilfasten eine geringe Menge Energie zugeführt. Gleichzeitig die Zufuhr von Koffein, Alkohol und Nikotin einstellen. Mäßige bis normale körperliche Aktivität wird ebenso empfohlen und der Fastende soll sich schönen Dingen wie Musik, Büchern, Natur und Meditation widmen und Medienkonsum sowie täglichen Stress meiden.

HINWEIS: 
Fragen sie einen Arzt oder Therapeut der für die Fastentherapie zertifiziert ist.

ABLAUF einer Heilfastenkur

Das traditionelle Buchinger-Fasten beginnt am Tag vor der Fastenkur mit einer Energiereduktion auf etwa 1 000 kcal/d. 

Zu Beginn des ersten Fastentages erfolgt für die "Darmreinigung" die Einnahme von Bittersalz oder Glaubersalz: 

  • 500ml Wasser mit 20-30g (1-2 Esslöffel) Bittersalz - die gewünschte abführende Wirkung setzt innerhalb von 2-4 Stunden ein. 
  • Oder sanfter: 200ml Wasser mit 10-15g (2-3 Teelöffel), da setzt die Wirkung erst in 8-10 Stunden ein. 
  • Kinder über 6 Jahren dürfen NUR die Hälfte einnehmen. 
  • Der Geschmack kann mit Zitronensaft etwas verbessert werden. 
  • Nachdem das Salz getrunken wurde, sollte nach 30 Minuten eine weitere Flüssigkeitsmenge von 0,5-1,0 Liter (Wasser oder Tee) aufgenommen werden.

Täglich erlaubte Energiezufuhr ca. 250-300 kcal/d. 

Während der Fastentage erfolgt eine tägliche Zufuhr von:

  • Gemüsebrühe (0,25 l),
  • Obst- oder Gemüsesäften (0,25 l) möglichst frisch gepresst,
  • Honig (30 g) und
  • mindestens 2,5 l Flüssigkeit durch Kräutertee oder Wasser.

WIE LANGE?

Nach Buchinger beträgt die optimale Fastendauer 2 - 4 Wochen.
Die Ärztegesellschaft für Heilfasten und Ernährung (ÄGHE) empfiehlt, für eine Heilfastenkur als Standarddauer 7 - 10 Tage plus 1 Vorbereitungstag und danach 3 Tage zur Normalisierung des Essverhaltens einzuplanen.

Quelle: dge.de

der Leberwickel  

Neben den Nieren ist auch die Leber stark gefordert: Die Leber ist unser zentrales Stoffwechselorgan. Hier laufen viele Entgiftungsvorgänge ab. Gerade durch die Verbrennung von Fettdepots werden auch darin enthaltene Schadstoffe frei, die den Körper überfluten und entsorgt werden müssen. 

Deshalb ist eine Aktivierung aller Entgiftungs- und Ausscheidungsorgane, insbesondere der Leber, erforderlich. Der Leberwickel ist eine altbewährte, natürliche Methode, die hier Hilfestellung leisten kann.

So wird's gemacht:

Ein Handtuch wird zu einem Drittel heiß angefeuchtet. Man legt sich entspannt hin und kann eventuell die Beine etwas hoch lagern. Der feuchte Handtuchteil wird nun auf den Bereich unterhalb des rechten Rippenbogens gelegt. Darauf legt man eine heiße Wärmflasche. Der trockene Teil des Handtuches wird dann darübergelegt. Warm zudecken und 30 Minuten entspannt ausruhen und dabei schöne Musik hören.

Da der Stoffwechsel verlangsamt wird, wird auch die Körpertemperatur gesenkt. Wenn man leicht friert, sollte man sich eine Wärmflasche machen und in kuschelige Decken einhüllen!

Nach dem Fasten:

Das Fasten endet typischerweise mit dem sogenannten Fastenbrechen. Dazu isst der Fastende langsam einen rohen reifen oder gekochten Apfel. Abends gibt es eine Kartoffelsuppe. Der Kostaufbau nach dem Fastenbrechen besteht in einer leichten vegetarischen Kost, die ballaststoffreiche Lebensmittel, vermehrt ungesättigte Fette (kalt gepresste Pflanzenöle) enthält. Die Lebensmittel sollten langsam und bewusst gekaut werden. 

Am ersten Tag werden dem Körper etwa 800 kcal zugeführt, am zweiten ca. 1 000 kcal, am dritten ca. 1 200 kcal und am vierten ca. 1 600 kcal. Zwischen den Mahlzeiten benötigen die Fastenden weiterhin viel Flüssigkeit. Spontane Darmbewegungen und Stuhlgang sollten spätestens am vierten Tag auftreten.

Reinige deinen Darm und baue eine gesunde Darmflora auf!
Eine gute Verdauung ist der Grundstein für ein gesundes Leben.  

"Die Heilerfolge aller natürlichen Methoden sind in erster Linie auf die innere Entgiftung und Reinigung des Organismus zurückzuführen. Wir leben nicht von dem, was wir essen, sondern nur von dem, was wir verdauen"

von Dr. med. Erich Rauch

die weltweit größte Studie

Die weltweit größte wissenschaftliche Studie über die Wirkung des Heilfastens, mit einer detaillierten Auswertung von der Datensammlung von 1.422 Fastenden,  wurde am 2. Januar 2019 veröffentlicht.

das ERGEBNIS:

  • Beim Fasten verbesserten sich in 84 % der Fälle schwerwiegende gesundheitliche Beschwerden, wie zum Beispiel Arthritis, Diabetes Typ 2 sowie Fettleber und Hypercholesterinämie, Bluthochdruck und Erschöpfungszustände.
  • 93 % verspürten während des Fastens keinen Hunger, was zu ihrem emotionalen und körperlichen Wohlbefinden beitrug.
  • Das medizinisch begleitete Fasten zeigte nur wenige Nebenwirkungen. Diese konnten jedoch leicht und ohne Unterbrechung des Fastens behandelt werden. In Einzelfällen kam es in den ersten drei Tagen zu unruhigem Schlaf, Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Beschwerden der Lendenwirbelsäule.

INDIKATIONEN:

Für folgende Krankheiten gibt es vorteilhafte Effekte des Fastens:

  • Metabolisches Syndrom
  • chronische Entzündungen
  • chronische kardiovaskuläre Krankheiten
  • chronische Schmerzzustände
  • atopische Krankheiten
  • psychosomatische Krankheiten.

Entscheidend für den Erfolg einer Heilfastentherapie ist neben der Compliance des Fastenden vor allem die Unterstützung durch erfahrene Fastenärzte bzw. speziell geschulte Fastenleiter. Individuelle Probleme wie beispielsweise medikamentöse Anpassungen sind in jedem Fall zu berücksichtigen.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Heilfasten, Basenfasten, Intervallfasten - ein Überblick. DGE info (2/2018)  

Kontraindikationen 

  • Stillzeit und Schwangerschaft
  • Essstörungen
  • Untergewicht
  • psychische Erkrankungen wie Psychosen
  • (fortgeschrittene Leber- oder Niereninsuffizienz)

Quelle: focus.de 

Fibromyalgie und Heilfasten!

Durch eine gezielte Ernährungsumstellung kann sogar eine Linderung der Symptome bei Fibromyalgie gelingen. Wichtig ist es, die Ernährung auf überwiegend entzündungshemmende, also antioxidative Nahrungsmittel umzustellen. Hierbei werden Fastenphasen und eine "pegane" Ernährung empfohlen - also eine Kombination aus paleo und veganer Ernährung. Wie das funktioniert, erfahrt sie im Video hier.

Quelle: Die Ernährungs-Docs 

Seit 40 Jahren begleitet
Ruediger Dahlke Fastende

Gesundheitliche Vorteile des Fastens sind heute vielfach wissenschaftlich bewiesen: Schon nach 4 Tagen ist das Immunsystem zu gut 40 % regeneriert (nach Prof. Valter Longo). Der Entzündungs-Marker (CRP-Wert) sinkt nach einer Studie von Prof. Andreas Michalsen rasch und schützt so vor Infektionen, wie z.B. Grippe. Anschließende Kost Umstellung im Sinn von pflanzlich-vollwertigem Peacefood, führt diese positiv-immunsteigernde Entwicklung weiter. 

Fasten und Kostumstellung hilft und beugt also vielen Krankheitsbildern vor, von Herzattacken bis Krebs.

Nächstes ONLINE Fasten: vom 26. März bis 2. April 2021

Quelle: dahlke.at

Heilfasten Webinar:

Gesund Online-Fasten

mit Sandra Exl

lanaprinzip.com

Buch Tipps:

AUTOPHAGIE

Autophagozytose (altgriechisch autós "selbst", phagein "fressen" und cýtos "Zelle") 

Bereits nach 24 Stunden gibt es messbare, positive Effekte. Der gewohnte Stoffwechsel verändert sich, wenn keine Nahrung kommt. Der Körper verbraucht zuerst die gespeicherten Kohlenhydrate, also Glykogen, diese Reserven reichen für einen bis eineinhalb Tage. 

Da kommt die Autophagie ins Spiel. Dabei handelt es sich um ein raffiniertes Recyclingsystem des Körpers, das die Zellen von Defekten befreit. Man kann sich das so vorstellen, dass Zell Müll mit einer Hülle umgeben werden. Darin zerkleinern Enzyme diese Teile. Die Einzelbestandteile werden der Zelle wieder zugeführt und helfen beim Neuaufbau gesunder Zellbestandteile.

Dieses Autophagie-Programm startet der Körper nach einer Nahrungspause ab 14 bis 18 Stunden. Für die Arbeiten zur Autophagie, gab es 2016 einen Nobelpreis für den japanischen Forscher Yoshinori Ohsumi.

Der zugrundeliegende Mechanismus 

Dauert die Nahrungspause länger, ist Glykogen, also Zucker aufgebraucht, der vor allem vom Gehirn dringend benötigt wird. Nun kann der Körper aus bestimmtem Eiweiß Zucker herstellen. Das gelingt ihm vor allem aus dem Bindegewebe bei Übergewichtigen und in geringem Maße aus Muskeleiweiß. 

Deshalb greift der Organismus jetzt auf die Fettreserven zurück. Fett besteht aus Glycerin, das sich ebenfalls in Zucker umwandeln lässt, sowie aus Fettsäuren. Die Fettsäuren werden in Ketone zerlegt, mit denen das Gehirn seinen Energiestoffwechsel bedienen kann - statt mit Zucker.

Die Angst, dass durch Heilfasten Muskeln (Eiweiß) abgebaut wird, ist in der Regel unbegründet. Der Organismus hat sozusagen eine natürliche Bremse, die Muskeleiweißressourcen schützt. Apropos Muskeln. Viele Fastende berichten darüber, dass ihre körperliche Leistungsfähigkeit steigt und sich Muskeln sogar weiter aufbauen!

Quelle: focus.de

Was ist mit dem HUNGER?

Anfangs bedeutet Fasten zwar einen gewissen Stress für den Körper, der Sympatikus wird aktiviert, weil es ja ums Überleben geht. Aber nach 2 oder 3 Tagen kommt der Parasympatikus zum Tragen. Das bedeutet mentale Ruhe, Entspannung, Ausgeglichenheit. 

Zusätzlich wirken jetzt Dopamine und Serotonin mehr, was uns glücklich macht und den Appetit bremst. Das ist auch der Grund dafür, dass Hunger während der Fastenkur meist nur am ersten Tag ein Problem ist - das sich allerdings mit viel Trinken und einem Löffelchen Honig beheben lässt.

die Fastenmethoden: