unsere GENE steuern

15.12.2017

die Umwelt beeinflusst unsere Gene = Epigenetik
Gene gelten als von der Umwelt beeinflussbar - zum Beispiel durch Ernährung, Bewegung und sogar durch Erlebnisse. Ja, wir können Gene steuern und erworbene Eigenschaften sogar vererben. Dabei verändert sie nicht das Erbgut selbst, sondern die Umwelt beeinflusst die Steuerung der Gene. 

Wie eine Lampe kann ein Gen an- oder ausgeschaltet werden. Im Laufe unseres Lebens entsteht so eine Art Schaltmuster für die Gene unseres gesamten Erbguts das wir sogar vererben können. Wir beeinflussen also mit unserem Verhalten auch das Leben unserer Nachkommen!  

Beispiel Bibliothek


Nicht jedes Gen ist ständig im Einsatz

Jede Körperzelle trägt im Zellkern den vollständigen Satz all unserer über 20.000 Gene. Etwa 9.000 davon sind für alle Zellen wichtig - für den Stoffwechsel, für Reparaturen oder die Zellteilung. Aber nicht jedes Gen wird zu jeder Zeit gebraucht.

Der komplexe menschliche Organismus kann über 200 Zelltypen entwickeln, bestimmte Gene werden nur zeitweise oder nur in einigen Zellen angeschaltet. Kurz: Jede Zelle benutzt nur die Gene, die sie braucht. 

Beispielsweise muss eine Hautzelle nicht wissen, wie man Gerinnungsfaktoren bildet - das ist Aufgabe der Leberzellen. Und die genetische Information zur Bildung des Hormons Insulin ist nur für Zellen der Bauchspeicheldrüse wichtig. 

Wenn wir über einige Wochen viel Süßes essen, braucht der Körper mehr Insulin. Das Gen für Insulin wird jetzt also häufiger "angeschaltet" und die Bauchspeicheldrüse kann mehr davon produzieren. Das geht auch umgekehrt. 

Epigenetische Prozesse kann man rückgängig machen

Prof. Dr. Jörg Spitz erforscht den epigenetischen Einfluss von Umweltfaktoren auf die menschliche Entwicklung und Gesundheit sowie die Prävention chronischer Erkrankungen. Dies schließt viele Themen mit ein: Vitamin D und Sonne, Sport und Bewegung, Ernährung und intestinaler Mikrobiota, Fettsäuren, aber auch soziale Faktoren und die menschliche Psyche.  

Zum Beispiel wird durch Muskeltraining die Aktivität von etwa 20 Prozent unserer Gene verändert.  Die Zelle holt sich dabei aus dem Erbgut nur die Informationen, die sie für ihre Mission auch wirklich braucht. Muskeln sind ein endokrines Organ, schütten also Hormone aus. Damit wirken Muskeln wahrscheinlich direkt dem hormonell aktiven Fettgewebe entgegen.

So steigt die Ausschüttung von Interleukin-6 durch die Muskeln nach dem Training auf das Hundertfache, an gesunden Sportlern konnte gezeigt werden, dass dadurch entzündliche Prozesse und Katabolismus (der Abbau von Stoffwechselprodukten) verringert werden und die Empfindlichkeit für Insulin steigt (Pedersen & Febbraio, 2008). Jemand mit einer hohen Insulinsensibilität benötigt weniger Insulin für eine bestimmte Reaktion benötigt, als eine Person mit einer niedrigen Insulinsensibilität. 

Personen mit einer niedrigen Insulinsensitivität profitieren davon, kohlenhydratreiche Mahlzeiten vorzugsweise nach dem Training zuzuführen, da die aufgenommenen Nährstoffe bevorzugt von der Muskulatur aufgenommen werden und weniger wahrscheinlich neues Fettgewebe gebildet wird. 

Und das Besondere: Das Erbgut selbst wird dabei nicht verändert.