was ist RLS?

Jeder 10. in der Bevölkerung ist vom RLS betroffen. Das Restless-Legs-Syndrom (RLS) zählt zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen (Berger u. Kurth 2007). Der Schweregrad kann sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Etwa  10 Prozent der Bevölkerung sind betroffen, das entspricht in Österreich rund 900.000 Patientinnen und Patienten - darunter über 12.000 mit sehr schwerem RLS. 

Frauen leiden doppelt so oft an RLS wie Männer. Es leiden bis zu 26% der Schwangeren an RLS, insbesondere im letzten Drittel der Schwangerschaft; die Beschwerden sind jedoch nur vorübergehend und klingen später wieder ab.

Auch Kinder können am Restless-Legs-Syndrom erkranken (Picchietti et al. 2007). Bei jungen Patienten kommt es aber nicht selten zu Verwechslungen mit Wachstumsschmerzen bzw. mit dem ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom).


Charakteristisch ist der erhebliche Bewegungsdrang der BEINE, seltener aber auch der ARME. Diese treten ausschließlich in Ruhesituationen auf, wird durch Bewegung gebessert oder beseitigt und ist vor allem abends bzw. nachts besonders ausgeprägt. 

Der Bewegungsdrang:  

  • unangenehm
  • qualvoll
  • Unruhe
  • Spannung
  • Druck



Diese Empfindungen werden meist in der Tiefe lokalisiert, das den Betroffenen zur Bewegung nötigt, um Linderung zu erfahren. Ist eine Linderung durch Bewegung nicht möglich, werden Bewegungsdrang und Missempfindungen (Parästhesien) immer unerträglicher und/oder schmerzhafter, bis die Betroffenen diese nicht aushalten können und sich dann bewegen oder umhergehen müssen. Besonders unangenehm in länger erzwungenen Ruhesituationen (z. B. bei der Dialyse, im Theater, bei Busreisen etc.).

Die Folgeerscheinungen:

  • Schlafstörungen, 
  • fehlende Entspannungsmöglichkeiten
  • Leistungsinsuffizienz
  • Depressionen

Bei Patienten mit RLS wurden vermehrt schwerwiegende Funktionsstörungen mit erhöhtem Unfallrisiko im Haushalt oder Verkehr sowie Einbußen der Arbeitsproduktivität oder Verlust des Arbeitsplatzes bei einer erheblich eingeschränkten Lebensqualität beschrieben (Berger u. Kurth 2007). 

Pharmakologisch versucht man das RLS derzeit mit L-Dopa oder einigen Dopaminagonisten zu therapieren. Nachteile können sich hier aufgrund von Anpassungsreaktionen in Form verminderter Wirksamkeit oder auch in selteneren Fällen in Form von Einschlafattacken ergeben. Diese Mittel sorgen dafür, dass Dopamin - ein Nervenbotenstoff - im Gehirn ersetzt wird.  Eine wichtige Nebenwirkung ist, wenn sich die Beschwerden während der Behandlung sogar verstärken. In der Fachsprache heißt das Augmentation. Abgeleitet vom "Augmentare" (lat.) das "verstärken" bedeutet. Es kommt unter medikamentöser Behandlung also zum Auftreten verstärkter Beschwerden, und zwar

  • zu einem früheren Zeitpunkt (bereits am Nachmittag oder in den frühen Morgenstunden)
  • oder sogar an anderen Körperstellen

ACHTUNG: Einige Medikamente, insbesondere typische Neuroleptika und bestimmte Antidepressiva, können RLS-Symptome induzieren oder verstärken.

der Krankheitsverlauf

In Abhängigkeit von den Ursachen der Krankheitsentstehung unterscheidet man heute zwei Formen von RLS: 

  1. das primäre (idiopathische) und das sekundäre Restless-Legs-Syndrom. Bei genetischer Veranlagung  treten die ersten Krankheitszeichen meist bereits im Alter von etwa 30 Jahren auf, wobei es immer wieder zu beschwerdefreien Intervallen kommt. Dabei handelt es sich um eine fortschreitende Erkrankung. Das bedeutet, dass die Beschwerden im Lauf der Jahre zunehmen. Im Alter von 50 bis 60 Jahren sind sie in vielen Fällen so stark ausgeprägt, dass die Betroffenen einer Behandlung bedürfen.
  2. das sekundäre Restless-Legs-Syndrom, verschwindet in der Regel nach Behandlung oder Beendigung der Ursache.

RLS ist zwar nicht gefährlich, die quälenden Missempfindungen sowie die durch den Bewegungsdrang entstehenden Schlafstörungen ziehen die Lebensqualität allerdings stark in Mitleidenschaft.



Artikel vom Dezember 2014: 
"12.000 Patienten mit schwerem RLS in Österreich" 

Über die Diagnose und die Möglichkeiten der  medikamentösen Therapien sprach PERISKOP mit ao. Univ.-Prof. Dr. Birgit Högl, Leiterin der Ambulanz für Schlafstörungen an der Univ.-Klinik für Neurologie an der Medizinischen Universität Innsbruck, sowie Ass.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Stefan Seidel, Leiter der Ambulanz für Schlafstörungen und schlafassoziierte Störungen der Univ.-Klinik für Neurologie, MedUni Wien. Beide sind Experten für die Behandlung von RLS-Patienten.

UnivProf. Dr. med. Claudia Trenkwalder
Chefärztin Neurologie, Paracelsus-Elena-Klinik in Kassel

Prof. Dr. Paulus Walter
klinische Neurophysiologie in Göttigen


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